Menton ist die letzte französische Stadt vor Italien, und sie weiß es — die Häuser neigen zu Ocker und Rosa, die Küche tendiert nach Ligurien, und die Luft ist ein, zwei Grad milder als irgendwo sonst an der Küste. Diese Milde ist ihr ganzes Glück: Es ist warm genug, um Zitronen im offenen Boden zu ziehen, was keinem anderen Winkel Frankreichs recht gelingt.
I. Die Altstadt und das Meer
Die Altstadt steigt in Stufen zur Basilika Saint-Michel-Archange hinauf, einer Barockkirche, deren Vorplatz aus schwarz-weißen Kieseln direkt aufs Meer blickt. Darunter halten der lange Kieselstrand und die überdachte Markthalle die Stadt in Orangen, Sardellen und Olivenöl; darüber bietet der alte Friedhof eine für Tote fast unanständige Aussicht.
„Die einzige Stadt Frankreichs, mild genug, um ihre eigenen Zitronen im Freiland zu ziehen.“
II. Eine Stadt der Gärten
Die milde Luft machte Menton zur Stadt der Gärten, angelegt von überwinternden Engländern und Russen und noch immer gepflegt. Die Serre de la Madone, von Lawrence Johnston aus Hidcote gestaltet, terrassiert seltene Pflanzen in einem geschützten Tal; der Val Rahmeh ist ein botanischer Garten der Tropen; der Jardin de la Fontana Rosa war der gefliesten Spanien-Traum des Schriftstellers Blasco Ibáñez. Jeder ist eine kleine Welt, und ihre Saison ist lang.
III. Cocteau und die Zitronen
Menton behielt Jean Cocteau, der das Bastion am Ufer und den Trausaal des Rathauses ausschmückte; sein Werk ist der rote Faden durch das Zentrum. Und jeden Februar füllt die Fête du Citron die Gärten mit riesigen Figuren, ganz aus Zitronen und Orangen gebaut — ein Karneval, dieser einen milden Stadt eigen, und das sicherste Zeichen dessen, was hier wächst.