Man sieht den Mont Ventoux aus der halben Provence — ein einzelner blasser Berg abseits jeder Kette, sein Gipfel eine Wüste aus weißem Kalkschotter, so grell, dass er im Hochsommer schneebedeckt wirkt. Mit 1.909 Metern ist er der Riese der Region, und sein Name sagt den Rest: der ventoux, der Windige.
I. Der kahle weiße Gipfel
Der Wald steigt die unteren Hänge hinauf und hört dann einfach auf, und die letzten Kilometer zum Gipfel sind nur kahler, gebrochener Stein, gefegt von einem Wind, der mit über dreihundert Stundenkilometern gemessen wurde. Vom Observatoriumsturm am Gipfel reicht der Blick bis zu den Alpen, zur Rhône und, an den klarsten Tagen, zu einer fernen Linie des Meeres.
„Ein Berg ohne Schnee, der den ganzen Sommer weiß wirkt — der Wind hält ihn kahl.“
II. Der Berg der Tour
Die Tour de France machte den Ventoux zum Ort der Legende und einmal der Tragödie — der englische Fahrer Tom Simpson starb 1967 nahe dem Gipfel, und sein Denkmal zieht noch immer Radfahrer an, die im Vorbeifahren eine Trinkflasche oder eine Mütze niederlegen. Drei Straßen führen hinauf, von Bédoin, Malaucène und Sault; man kommt aus aller Welt, um wenigstens eine zu bezwingen.
III. Lavendel zu seinen Füßen
Man muss ihn nicht erklimmen. Die östliche Anfahrt über Sault quert ein Hochplateau, das sich im Juli blau von Lavendel färbt, der Berg stets am Horizont; unten im Westen liegen die Weinberge der Côtes du Ventoux und die Bergdörfer der Dentelles de Montmirail. Der Riese gibt dem ganzen Land seine Kulisse.