Aigues-Mortes erhebt sich aus dem flachen Sumpf der westlichen Camargue, ein vollständiger Ring mittelalterlicher Mauern, allein auf der Ebene. Ludwig IX. — der heilige Ludwig — ließ hier im 13. Jahrhundert den Hafen bauen, um dem Königreich Frankreich ein eigenes Tor zum Mittelmeer zu geben, und stach von hier zweimal zum Kreuzzug in See. Das Meer hat sich seither zurückgezogen; die Mauern bleiben.
I. Die Mauern, die der heilige Ludwig baute
Man begeht die Wehrmauern ringsum, ein Rundgang aus Türmen und Kurtinen über den Dächern. Der große Tour de Constance hält eine Ecke — Leuchtturm, Bergfried und später Gefängnis. Innerhalb der Mauern ist die Stadt ein dichtes Raster von Gassen um die Place Saint-Louis, wo der König in Stein zwischen den Platanen steht.
„Die Stadt hat sich seit sieben Jahrhunderten nicht bewegt; nur das Meer hat es sich anders überlegt.“
II. Das Salz, das das Wasser rosa färbt
Östlich der Mauern dehnen sich die Salins du Midi, Lagunen, die wie seit der Antike noch für Salz bewirtschaftet werden. Im Spätsommer läuft das flache Wasser rosa an — das Werk einer mikroskopischen Alge, der Dunaliella salina — und das geerntete Salz türmt sich zu einem leuchtend weißen Berg, der camelle. Flamingos waten am Rand, in derselben Farbe wie das Wasser.
III. Der Rand der Camargue
Jenseits des Salzes beginnt die wahre Camargue — weiße Pferde, schwarze Stiere und die Gardians, die sie zu Pferd hüten. Der kleine Fischerhafen Le Grau-du-Roi liegt wenige Kilometer südlich, wo der westliche Arm der Rhône endlich das Meer erreicht, für das der heilige Ludwig eine befestigte Stadt brauchte.